Gelnhausen und die Menschenrechte – Ein Stadtrundgang

Die Geschichte der freien Reichsstadt Gelnhausen, gelegen an der Handels- und Pilgerstraße „via regia“ bietet vielfältige Möglichkeiten, Bezüge zwischen allgemeinen historischen Entwicklungen und deren konkreten Auswirkungen auf die Menschen vor Ort herzustellen. Ausgestattet mit Privilegien für die Ein­wohner nahm die ökonomische Entwicklung der Stadt nach deren Gründung durch Kaiser Barba­rossa zunächst einen positiven Verlauf.

Mitte des 14. Jhdts. breitete sich eine Pestepidemie in Europa aus. Mangels rationaler Erklärungen für deren Ursachen machte man die Juden verantwortlich, und es kam zu Pogromen. Im 16. und 17. Jahrhundert verschlechterte eine „Kleine Eiszeit“ die Lebensbedin­gungen der Menschen. Sie fühlten sich verunsichert und suchten Schuldige für Missernten und per­sönliche Schicksalsschläge, die man u.a. in Hexen fand. Hexenprozesse fanden auch in Gelnhausen statt. Vom 30jährigen Krieg war die Stadt besonders betroffen, mit sehr langen negativen Nachwirkungen.

In der 2. Hälfte des 19. Jhdts. bewirkte u.a. der Bahnanschluss einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung. Dieser wurde auch getragen durch die Ansiedlung der Kautschukindustrie, die wiederum im Kontext kolonialer Ausbeutung gesehen werden muss.

Im 20. Jahrhundert wurde die Stadt zu einer Hochburg des Nationalsozialismus. Es entstand ein Kli­ma der Angst und Gewalt. Bereits Anfang November 1938 wurde stolz verkündet, dass Gelnhausen „ju­denfrei“ sei. Es gab jedoch auch Menschen in Gelnhausen, die sich diesem Treiben entgegenstellten und Widerstand leisteten.

Bei dem Rundgang werden an markanten Orten exemplarisch Bezüge zwischen historischen Ereignissen und diversen Aspekten der Menschenrechte, wie wir sie heute verstehen, hergestellt. Er beginnt am Obermarkt vor dem Rathaus und endet am Platz der Menschenrechte. Er ist gebührenfrei. Es wird um eine Spende für Amnesty International gebeten.

Anmeldungen sind möglich bei der Volkshochschule der Bildungspartner Main-Kinzig (Telefon 06051/916790, Mail an vhs@bildungspartner-mk.de) unter Angabe
der Kursnummer 1020300. Hintergrund des Rundgangs ist der Internationale Tag der Menschenrechte am 10. Dezember.

Am Platz der Menschenrechte in Gelnhausen führte die Amnesty-Gruppe Gelnhausen 2022 eine Solidaritätsaktion für die türkische Rechtsanwältin und Menschenrechtsverteidigerin Eren Keskin durch. Sie engagiert sich seit Jahrzehnten für Menschenrechte und Minderheiten in der Türkei und wird deswegen von vielen Seiten unter Druck gesetzt. Immer wieder erhält die Menschenrechtsverteidigerin Morddrohungen, sie wurde mehrfach gewaltsam angegriffen. Auch die über 120 Strafverfahren, die gegen sie wegen ihres Einsatzes für Meinungsfreiheit eingeleitet wurden, bringen sie nicht aus der Ruhe.